Einjähriger schläft nur noch beim Stillen ein

Bild von Dani

Hallo,
mein Sohn wird Ende des Monats ein Jahr und wird noch teilweise gestillt, weil ich ihn langsam abstillen wollte. Wir hatten uns schon bis zu drei Mahlzeiten herangearbeitet, doch dann kam im Januar eine Schubphase und Zähne. Seitdem schläft er nur noch an meiner Brust beim Stillen oder Nuckelnd ein. Früher hab ich ihn einfach müde ins Bett gelegt, manchmal brauchte er noch einen Schnuller, manchmal gings auch ohne. Aber jetzt verweigert er den Schnuller komplett.
Die ersten vier Monate hat er auch durchgeschlafen, danach war Schluss.
In guten Nächten wacht er aber nur einmal auf, wird kurz gestillt und schläft dann weiter.
Ist das vielleicht nur eine Phase mit dem Einschlafen (auch wenn sie schon zwei Monate dauert) oder habe ich ihm das jetzt angewöhnt?
So klappt das mit dem Abstillen natürlich nicht. Er isst auch leider seine Milch- bzw. Getreidebreie nicht mehr oder nur ganz wenig, und der Mittagsbrei darf nicht zu stückig sein (maximal Konsistenz der 6-Monatsgläschen), das ein oder andere knabbert er auch gerne (Zwieback, Reiswaffeln).
Meine Vertretungsfrauenärztin war letztens ganz entsetzt und meinte "Wie, Sie stillen noch? Wollen Sie nicht mal langsam aufhören? Wenn das Kind sich nicht abstillen lassen möchte, dann muss man das auf die harte Tour machen."
Aber das möchte ich ehrlich gesagt nicht, nur sehe ich derzeit auch keine Fortschritte bzw. ich weiß nicht, wie ich sinnvoll weitermachen soll.

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Bild von Marion Weihofen

Hallo liebe Dani,
ich kann mich gut in Dich hineinversetzen. Abstillen bedeutet Abschied nehmen von einer langen, intensiven und sehr intimen Zeit zwischen Mutter und Kind. Oft kommen Schuldgefühle auf, das Richtige zu tun. Es ist wirklich eine ernsthafte, endgültige Entscheidung, die beide Beteiligten für gut befinden müssen und die keinem zu viel abverlangen sollen. Wenn das kind noch nicht bereit ist, die Zweisamkeit aufzugeben, bleibt der Mutter eigentlich nichts übrig, die Gründe für das Abstillen erneut zu überdenken. Einem unglücklichen Kind das Abstillen
begreiflich zu machen, endet meistens in einer nervenaufreibenden, frustierenden Zeit für beide. So wie Du schreibst, braucht Dein Sohn gerade jetzt viel Kontakt und Zuwendung. Durch die neue Situation des Zahnens versichert er sich, durch Deine Nähe, des gewohnten und der Sicherheit. Er macht Dir deutlich klar, wie unbedingt er Dich und das Stillen noch braucht und für ihn die Zeit des Loslassens
noch nicht gekommen ist. Alles braucht seine Zeit, und jedes Rädchen fasst erst in das nächste, wenn es an der Reihe ist. Geniesse diese Moment mit Deinem Kind. So ehrlich wirst Du nie mehr mit ihm verbunden sein. So schnell sind sie groß und
gehen ihre eigenen Wege. Wenn Du Zweifel hast, und Dich der Gedanke an das Stillen noch so häufig beschäftigt, ist es sicher Zeit, die Entscheidung für das Abstillen neu zu überdenken. Von ganzen Herzen alles Liebe und Gute und viel Kraft, wünscht Dir
Marion Weihofen

PS: Lass Dich durch Deine Ärtzin nicht verunsichern. Solange beide es wollen, gibt es keine Zeitbegrenzung für das Stillen. Ich
habe meine Kinder 18 und 19 Monate gestillt, und sie sind selbstbewusste starke PErsönlichkeiten geworden, weil sie sich immer
darauf verlassen können, dass ihre Eltern in jeder Situation für Sie da sind und sie stärken. Wer große Nähe erfährt, kann mit
Sicherheit loslassen, weil er weiß, da ist immer einer hinter mir, der für mich da ist.

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